Glitzer

Alle Jahre wieder… *würgt*

Irgendwann sollte man sich daran gewöhnt haben, dass man bereits Anfang Oktober – bekleidet mit einem T-Shirt und ohne Socken – beim Einkaufen lebensnotwendiger Lebensmittel über die ersten Spekulatiusschachteln, Lebkuchen in allen Formen und Größen, Dominosteine etc. pp. stolpert.

Ich sehe dann einfach geflissentlich darüber hinweg und such weiter nach meiner Großpackung Vanilleeis.

Woran ich mich allerdings wahrscheinlich niemals gewöhnen werde … seit dem 16.11. ist unsere schöne (*hust*) Innenstadt mit Weihnachtsmarktbuden zugepflastert. Ich bitte Euch… wem schmeckt ein Glühwein bei Temperaturen um die 20 Grad Celsius? Mir nicht!!!

Für Glühwein und sonstige Weihnachtsmarktspezialitäten hat es gefälligst arschkalt zu sein. Außerdem ist es schwer, auf einem Weihnachtsmarkt etwas Kühles zu trinken zu bekommen… Klasse, verdurste ich halt. Aber was Warmes bekomm ich bei den Temperaturen einfach nicht hinunter.

Dann weiterhin diese herrliche Beschmückung von Häusern … ein Traum… Ich weiss, warum ich das Schlafen & Träumen vermeide. Blinkende Sternchen in allen Regenbogenfarben, leuchtende Rentiere in Vorgärten, lichterbekränzte Dachrinnen, ein fassendenkletternde Weihnachtsmänner (ich hab sie immer noch in Verdacht, verkleidete Spanner zu sein).

Ich bin nicht gläubig und ich halte das Weihnachtsfest mittlerweile einfach nur noch für Konsumterror aller erster Güte.

Allein dieses beleuchtungstechnische Wettaufrüsten … da kräuseln sich mir die Fußnägel.

Wenn ich an meine Ex-Schwiegermutter denke... Da wir im selben Haus wohnten, bekam ich ihren Weihnachtskoller grundsätzlich hautnah mit. Das Wochenende vor Totensonntag wurde gewirbelt, Möbel gerückt, alles schön anständig geputzt (eigentlich hat sie nie was anderes gemacht ... ). Der Totensonntag kommt… Aus der Wohnung über mir klingen merkwürdige Geräusche… ahjaaa… die Kisten werden von Schränken geholt, Tonnen von Weihnachtsschmuck und –dekoration erblicken nach einem knappen Jahr die Freiheit wieder.

Und dann wird oben aufgerüstet… Das Wohnzimmer wird als allererstes leergeräumt, man (frau) braucht ja Platz für die ganzen Tannenzweige, Dekoschachteln (bei der letzten Zählung hab ich 34 gezählt, Ikea lässt grüssen). Kommt man der Wohnungstüre zu nah, wird man gleich eingespannt .. „entfuddel die mal" – und bekommt einen Arm voll Lichterketten in die Hände gedrückt. Klasse… (entfuddeln = Kabel entwirren). Spätestens nach dem mehr oder minder erfolgreichen auseinanderdröseln von mindestens 8 Lichterketten entfernt man sich besser wieder.

Stunden später klingelt es Sturm „kommt mal hoch, gucken… ich bin fertig mit dekorieren". Es wird geschluckt, das Lächeln angeknipst und trabt die Treppen hinauf. Der erste Weihnachtskranz (mit einem Weihnachtsbärchen) prangt an der Eingangstüre, nicht zu übersehen… Dann der Marsch durch die Wohnung… es glitzert aus allen Ecken und Kanten, Engelchen lächeln ihr grenzdebiles Lächeln – egal wo man auch hinschaut. Hier ein Weihnachtsbärchen, dort eine aufgebaute Winterlandschaft mit … sicher: Winterbärchen. Und alles glitzert. *schüttel*. Wenn man durch die Wohnung geht, bekommt man Paranoia. Von überall her wird man seelig angelächelt... Ich fühl mich beobachtet!

„Ich hab noch Tanne, soll ich dir auch ein paar Gestecke basteln?" – The same procedure as last year… Nein danke, ich möchte kein Gesteck…

Ich schau mich um und entdecke auf Anhieb mindestens vier dieses „Gestecke", dekorativ nur im Wohnzimmer verteilt. Natürlich drapiert mit Lichterketten und echten Kerzen. Aber die werden nicht angemacht… sind zu schade. Ahjaaa… sicher

Dann ein lautloses Fluchen und Verwünschungen … ich hab den Fehler gemacht und mich gesetzt und den Tisch berührt. Ganz großer Fehler… dieses Glitterzeug bekommt man selbst mit einer Wurzelbürste und Schmierseife nur schwerlich aus den Klamotten oder von der Haut. Fabelhaft… jetzt glitzer ich auch noch.

Flucht! Das ist das einzige was hilft. Die hinterhergerufene Frage „hilfst du mir nächstes Wochenende beim Backen? Ich wollte auch Spritzgebäck machen, du könntest ja dann drehen"… überhören und die Treppe herunter hechten in die eigene – weihnachtsfreie – Wohnung.

Ok, dieses Weihnachtskapitel bleibt mir dieses Jahr erspart. Keine Schwiegermutter mehr… und deren Sohn auch nicht…

Gestern war ich bei meinen Eltern, die eigentlich bislang mit beiden Beinen fest auf dem Boden standen. Das erste, was ich beim Reinkommen zu hören bekam war: „Willst du mit auf die Adventsausstellung? Wir könnten mal nach schöner festlicher Deko für deine kleine Wohnung gucken" …

Das ich nicht fluchtartig und schreiend weggerannt bin, wundert mich selbst. Selbstbeherrschung ist was feines… Die kam allerdings schwer ins Wanken, als ich die neueste Errungenschaft meiner Mutter sah… Ein glitzerndes Weihnachtsbärchen… allein die Nähe zu diesem Ding reichte aus, um mir wieder irgendwelches Glitterzeug an die Pfoten zu zaubern…

Erwähnte ich, dass ich Weihnachten und die Adventszeit nicht mag?

28.11.06 09:44

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