Mut, Kraft, Glück?

An Tagen wie diesem wünschte ich mir ein wenig mehr Mut, ein wenig mehr Kraft oder ein wenig mehr Glück.

Mut, um endlich gegen diesen verführerisch stehenden Brückenpfeiler zu rasen.

Kraft, um den ganzen elenden Mist doch irgendwie durchzustehen.

Glück, um aus diesem Mist komplett herauszukommen.

Ich fahr heut morgen frohen Mutes zur Bank, um am Bankomat ein bisserl was von dem Zeug zu holen, ohne das nun mal nichts läuft. Dürfte ja kein Thema sein, Gehalt ist drauf. Ich schrubbel also meine Karte in das Ding, drück meine vierstellige Nummer, dann den von mir gewünschten Betrag: „Keine Auszahlung möglich!". Ich sorge bei den Bankmitarbeitern beim Auswerten der Videoüberwachungsbänder sicherlich für Hochstimmung, wann sonst sieht man ein soooo dummes Gesicht vor dem Geldautomaten. Ich runzle die Stirn, schieb meine Karte wieder in das Teilchen, drück diesmal auf Kontostand: Guthaben… vierstellig… Frei verfügbar: 0,00. Ah jaaaa… klasse, Kontopfändung, ja?

Ok, hätte gern nur vorher Bescheid gewusst, was gepfändet wird. Aber nein, irgendwie haben die behördlichen Stellen das wohl verpeilt. Ziemlich geschockt schlurf ich wieder zu meinem Auto, bevor ich meinen Heulflash bekomme. Ich denk an Miete, die Rate fürs Haus, an laufende Kosten und an mein leeres Portemonnaie.

35 Kilometer bis zur Arbeit, zwischendurch denk ich sogar dran, dass ich an Ampeln wenigstens nicht zum Seitenfenster rausschau. Der neben mir guckt schon komisch… Ne verheulte Frau im Auto, ich möchte ihn anschreien. Der sitzt in seiner Bonzenkarre, und hat wahrscheinlich nie darüber nachdenken müssen, wo er was zu essen herbekommt. Oder wie er die Miete bezahlen soll…

Dann kommen mir immer wieder die Worte meiner Mäm wieder ins Ohr: Dein Vater war ein Taugenichts, ein Schwein, der hat die EV abgegeben, der hat kein Geld. Bin ich froh, dass du nicht nach deinem Vater kommst… Tja, Mutsch… wenn du wüsstest. Aber reden kann ich mit dir nicht, ich könnt dir ja das günstige Wohnen in meinem mir aufgedrängten Hauseigentum vermiesen, oder den 2. oder 3. Jahresurlaub im sonnigen Süden, oder die neue Küche. Das einzige, was ich von dort zu hören bekomme, „du verdienst gut, also darfst du keine Probleme haben". Danke, hab ich aber trotzdem… trotz gutem Geld, wofür ich 40 Stunden in der Woche schaffe. Aber das „DARF" ja nicht sein, könnte einem ja die Laune vermiesen. Wenn ich in dem Moment, wo ich vor ihr stehe, nur den Mut hätte, zu sagen: Mutsch, ich hab keine Kohle, die pfänden mir das Konto oder mal das Gehalt, ich verkauf den Kasten. Ich möchte leben, nicht vegetieren… Ich gehe nur noch für meine Schulden arbeiten, von denen meine Eltern mir einreden wollen, es wären keine Schulden, das wäre meine Rente…

Und wenn ich mal nur eine Andeutung fallen lasse, beschwör ich gleich eine Familienkatastrophe herauf, mir wird das absolut schlechte Gewissen eingeredet und Schuld an allem bin ja eh nur ich.

An Tagen wie diesem wünsche ich mir dann doch mehr Mut …

28.2.07 08:39

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